180620 Castrini 200m Thun20.06.18 - Die mit grosser Spannung erwarteten Trials für die U18 Europameisterschaften fanden in Thun bei besten klimatischen Bedingungen statt. Timo Castrini lief über 100m auf den aussichtreichen zweiten Rang und darf sich grosse Hoffnungen machen, in Ungarn an den U18 Europameisterschaften dabei zu sein. Dabei dürfte er von Nick Stalder begleitet werden, der über 400m die Saisonbestleistung hält und so gut wie qualifiziert ist. Neben den U18-Sprinter überzeugte auch Anna Rotter, die 18-Sprinterin, die mit 12.42 über 100m eine tolle, persönliche Bestzeit erzielte.

 

Swiss Athletics hat die gute Idee der Trials nicht wirklich athletenfreundlich umgesetzt. Gut für die Breitenentwicklung an der Spitze ist die Übernahme der internationalen Limiten. Erfreulich ist, dass zahlreiche Nachwuchskräfte diese Vorgaben schaffen. Toll wäre gewesen, wenn Swiss Athletics in Thun die für die Trials Qualifizierten kurz zusammengerufen hätte, sie informiert hätte und darauf verzichtet hätte, die genau gleichen sechs Athleten einen Vorlauf und einen Final über 100m laufen zu lassen. Die Jungs wussten im Vorlauf, gänzlich ohne Relevanz, echt nicht um was es da eigentlich ging. Im männlichen 200m Lauf wurden dann in einer ersten Serie 4 Leute auf die Bahn geschickt und in der zweiten Serie noch 2. Das macht so keinen Sinn. Und genau das war so vorauszusehen.  

Tim Castrini schafft an den Trials beste Voraussetzungen für eine EM Teilnahme

Es war ein hartes Stück Arbeit an diesem Abend in Thun für Timo Castrini. Eine Fokussierung auf die 200 Meter wäre äusserst riskant gewesen. Die Besten liegen ganz eng zusammen. Timo hat sich seriös auf die Trials vorbereitet. Er ist am Montagnachmittag nach Thun gereist um auf der Bahn mit dem speziellen Kurvenradios sein Abschlusstraining zu machen. Im Vorlauf, der wie erwähnt gar keiner war, war er und seine Kollegen gezwungen, bereits voll zu gehen. Man wusste ja nicht, wie dieser gewertet werden würde. Er machte das mit Blick auf den erzielten zweiten Rang gut. Er war in keinem seiner Läufe so locker und entspannt, wie es für herausragende Zeiten nötig wäre. Im Final war seine Anspannung „greifbar“. Er war nicht in der Lage unwiderstehlich davon zu ziehen, im Gegenteil er musste in der ersten Rennhälfte kämpfen, um nach vorne zu kommen. Ein gutes Stehvermögen war mit ein Grund, weshalb er sich letztlich wiederum als Zweiter und damit eigentlich auf die Trials bezogen, als für die EM qualifiziert betrachten konnte. 11.08 Sek. aus Vorlauf und 11.03 Sek. aus dem Final werden in die Bestenlisten aufgenommen. Sichtlich erleichtert gab er ein gehaltvolles Interview über den Stadionlautsprecher und ein erstes Mediengespräch mit Reto Pfister der Berner Zeitung. Dieser betitelte dann seinen Beitrag in der BZ mit „Guter Abend für Castrini“ und das in grossen Lettern. Im abschliessenden 200er galt es, sich nochmals anständig zu präsentieren. Volles Risiko wollte Tim nicht mehr gehen. Dafür war er ganz einfach nicht mehr frisch genug. Seine Zeit von 22.21 Sek. ist wie über 100 Meter die zweitbeste Leistung ever.  

Nick Stalder kann es locker angehen

Eine komfortable Ausgangslage hatte an diesem Abend Nick Stalder. Er ist über 400 Meter unbestritten die Nummer 1 in der Schweiz. Er hat entsprechend gute Aussichten auf eine Nominierung für die U18 EM. Es müssten an diesem Wochenende noch zwei Athleten schneller laufen und dies auf einem extrem hohen Niveau. Er bestritt in Thun im Rahmen der Trials einen 200er ohne sich für einen entsprechenden Startplatz zu bewerben, auch wenn das durchaus möglich gewesen wäre. Er will an der EM auf die Bahnrunde setzen. Sein Lauf gegen einen Konkurrenten aus der Trials Gemeinde gestaltete er als Schaulaufen. Es war ein Freude anzusehen, mit welcher Lockerheit er einher lief und wie er doch jederzeit mit kurzen Druckphasen den Gegner zum „Mitrennen“ zwingen konnte. Seine Zeit, 22.24 Sek. neue persönliche Bestleistung. 

Silvan Lutz und Dario Kaufmann kämpfen um ihre Form

Über 400m stellten sich Silvan Lutz in der ersten und Dario Kaufmann in der dritten Serie dem Startertrio. Silvan ging ist das Rennen schnell an (Zwischenzeit bei 300m 34.80) allerdings mit kräftezehrender grosser Schrittlänge. Silvan ist dann schnell, wenn er die ersten 200 Meter mit höherer Schrittfrequenz angeht. Sehnenbeschwerden verunmöglichten dies aber in den letzten sechs Wochen. Erst jetzt kann er wieder daran arbeiten. Eine harte Zielgerade kostete einige Ränge und einige wichtige Zehntelsekunden, was erneut „nur“ zu einer 48er Zeit führte. Trost war für ihn die Erkenntnis, dass er jetzt wieder soweit gesund genug ist, um rechtzeitig für die nationalen Meisterschaften an seinen Stärken arbeiten zu können. Dario Kaufmann hat sich sorgfältig auf das Meeting in Thun vorbereitet. Über die Bahnrunde gelang es ihm zu keinem Zeitpunkt des Rennens auf ein hohes Tempo zu kommen. Sein dritter Rang in der Serie tröstet nur wenig über die 53er Zeit (53.06 Sek.). Eine Stunde später über 200 Meter zeigte Dario mit 23.36 Sek. eine respektable Zeit. Er musste sich ja dafür physisch und mental vom 400er erholen. 

Die Mittelstrecken Schrecken der Länggasse Bern

Die TVL Vertreter wollten in Thun sicher gehen, dass das Rennen schnell wird. Hendrik Engel hatte sich bereit erklärt, in der ersten Serie Tempo zu machen. Er tat das derart gut, dass in der Serie drei persönliche Bestleistungen und zwei Saisonbestleistungen erzielt werden konnten. Zum wiederholten Male in dieser Saison hatte es Pascal Furtwängler mit dem Genfer Joaquim Jaeger zu tun. Diesmal lief der Genfer allerdings schlau und entsprechend war er ein harter Gegner für den starken Finisher Furtwängler. Am Ziel reichte es für den Sieg mit hervorragenden 1.49.76, der drittbesten Zeit in Pascals Karriere. Dahinter, fast etwas unbeachtet lief Reto Ramseier ein kluges und starkes Rennen. Er vermochte (noch) nicht ganz mit der Dreierspitze mitzuhalten. Er tat es folgerichtig nicht, es wäre zu schnell für ihn gewesen. Auf der Zielgeraden war er der Sieger der Verfolgergruppe, deren Vertreter innerhalb von 5 Zehnteln ins Ziel kamen. Das ist neu so. Er hat die Endsprintstärke von Pascal als Vorlage genommen. Bravo!

Frauenpower im Kurzsprint

U18 Athletin Anna Rotter musste bei den Aktiven starten. Die U18-Serien waren ausschliesslich den Trials Athletinnen vorbehalten. Anna musste in einem Sport-Klassenlager 30 Kilometer Radfahren, was alles andere als eine optimale Vorbereitung verspricht. Entsprechend müde fühlte sie sich. Trotzdem gelang ein ordentlicher Start, eine ordentliche Beschleunigung, eine ordentliche Schlussphase und als Summe davon überraschend eine Klasse Gesamtleistung mit einer persönlichen Bestleistung von 12.42 Sek. In der fünften Serie gelang Daniela Schlatter mit 12.96 Sekunden eine Saisonbestleistung, nur 9/100 über ihrer persönlichen Bestleistung. Sie arbeitet derzeit an einer Veränderung ihres Laufstils. Weniger Kicken, dafür höhere Knieführung strebt sie an. In Thun war das sichtbar, es braucht aber noch einige Rennen, um davon umfassend zu profitieren. In der vierten Serie ging Sprungspezialistin Marlen Schmid an den Start. Sie kämpft um Form und mit kleineren Verletzungen. Ihre 13.07 Sek. sind in Anbetracht dieser Umstände eine gute Leistung. Ihre persönliche Bestleistung von 12.70 Sek. stammt auf dem Jahre 2015.  

Auf TVL-Frauen werden über die Mittelstrecken in der Schweiz beachtet

Im 800 Meter Rennen lief Sina Sprecher mit erneut sehr guten 2.08.98 zum Sieg. Sieg geht in Ordnung, das Tempo hätte sie sich noch etwas höher gewünscht. Aber in Thun liefen keine Gegnerinnen, die sie hätten fordern können. Selina Baumgartner, obwohl mit 2.18.95 eine Saisonbestleistung laufend, konnte Sina verständlicherweise damit auch nicht fordern. Selina darf, jetzt wieder gesund, in den nächsten Rennen mehr Risiken eingehen. Über 1500 Meter lief Céline Pfeiffer 5.07.96. In der zweiten Serie konnte sie damit durchaus eine mitgestaltende Rolle spielen. Rang vier der Siebzehner-Serie. 

Stuker, das war doch der Nachwuchs 600 Meter Läufer?

Moritz Stuker startete über 110 Meter Hürden in der weiten Serie. Er war genau 15.83 Sekunden lang unterwegs. Dabei standen ihm 10 Hürden im Weg. Sein Lauf gelang ihm technisch und rhythmisch nicht ganz nach Wunsch. Mit seinen 15.49 Sek., gelaufen anlässlich der kantonalen Meisterschaften steht er auf Rang 19 der CH-Bestenliste. Bemerkenswert war dann sein Sprint über 200 Meter. Er startete in der vierten Serie, welche er mit einem, in jeder Beziehung bestens gelungenen Lauf deutlich gewann. Da war eine Leichtigkeit mit im Spiel, die Kenner, Zuschauer und wahrscheinlich auch ihn selbst erstaunt haben mögen. Das ist eine Klassezeit!

Starke Präsenz der TVL-Springerinnen

Sowohl im Weit- wie auch im Dreisprung standen etliche TVL-Springerinnen am Start. Dabei zeigte Joelle Buri in Dreisprung, dass die Formkurve für die am Wochenende in Langenthal stattfindenden Regionenmeisterschaften nach oben zeigt. Mit etwas mehr Anlauftempo und entsprechender Entschlossenheit sind Sprünge an und über die 10.50m-Marke mehr als realistisch. Mehr und mehr findet auch Tanja Muralt zu ihrer letztjährigen Form zurück. Neben der Sprungstabilität zeigen nun auch die Resultate entsprechende Tendenzen. Die Saisonbestleistung von 10.57m ist als äussert erfreulich einzuschätzen. Erneut ohne die 9m-Marke geknackt zu haben musste Avani Gygax den Heimweg antreten. Dass ihr erste Sprung über 9m nicht nur im Training sondern auch im Wettkampf möglich ist, ist offensichtlich. Die Frage stellt sich lediglich, wann dieses Ereignis eintreffen wird. Sichtlich zufrieden, und das zurecht, durfte Sabrina Wälti sein. Nachdem ihr zu Saisonbeginn an gleicher Stätte noch der Wind die U20 SM Teilnahme vereitelt hat, reüssierte sie diesmal bei regulärer Windunterstützung in 10.49m und kann ihre Saisonplanung nun auf das Highlight Anfangs September ausrichten.
Ums Überleben oder besser gesagt ums "Nicht-Einschlafen" ging es bei Daniela Schlatter im Weitsprungwettkampf. Sichtlich müde und angeschlagen trat sie zum Wettkampf an. Erstaunlich ist dann immer wieder, was sie aus solchen Situationen herausholt. Die 5.75m und die stabile Serie zeugen von ihrer mentalen Stärke und einer tollen Form. Wir sind gespannt auf die nächsten Wettkampfe. Verletzungsbedingt musste Marlen Schmid ihren Wettkampf abbrechen. Ohne voll angreifen zu können und ohne die nötige Leichtigkeit und Elastizität im Anlauf, resultierten zwei Sprünge lediglich knapp jenseits der 5m-Marke. Nun geht es darum, die Gesundheit wieder herzustellen und das nötige Vertrauen in die Sprünge zurückzugewinnen. Nach dem tollen Dreisprung doppelte Sabrina Wälti im Weitsprung nach und erzielte mit 4.61m eine neue PB.

Rangliste Abendmeeting Thun, 20.06.2018

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