190601 SVM Lausanne Furtwaengler01.06.19 - Was wäre wenn? Eine im Vorfeld dieses Anlasses häufig gestellte Frage. Was wäre es, wenn es den ganzen Tag regnet? Was wäre wenn der Athlet oder diese Athletin ausfällt? Was wäre wenn der Staffelstab verloren geht? Einige Fragen mussten zum Glück nicht beantwortet werden. Die Bedingungen im Stade de Coubertin in Lausanne waren hervorragend, die Organisatoren kompetent und fähig und die Zuschauer (ausschliesslich Begleitpersonen und verirrte Wanderer) in guter Laune. Vom Verletzungspech war vor allem das Frauenteam stark betroffen. Die Schlussklassements werden massgeblich auch von den übrigen LG Vereinen mitgeprägt. In diesem Bericht wird allerdings hauptsächlich auf die Vertreter des TVL eingegangen.  

 

4x100m Männer

In der ersten Mannschaft des TVL starteten auf den ersten beiden Positionen Vertreter der GGB. Peña lief ein starkes, Clivaz ein solides Rennen. Der Wechsel Clivaz zu Ralf Kurath war einmal mehr mustergültig. Die beiden scheinen sich blind zu verstehen. Ralf ist bereits die zweite Saison die Erstbesetzung in der zweiten Kurve. Er war auch in Lausanne ein exzellenter Kurvensprinter. Er konnte Tim Stalder in zweiter Position auf die Schlussgerade schicken. Der Wechsel war ok, im Bedarfsfall liesse sich hier noch etwas herausholen. Die Schlussgerade von Tim Stalder war darauf ausgerichtet, die übrigen Mannschaften nicht vorbeizulassen. Nach vorne, auf den LCZ war der Abstand für eine Aufholjagd zu gross. Tim überquerte die Ziellinie nach 41.38 Sek. und was besonders wichtig war, deutlich vor Stade Genève und den übrigen Mannschaften, die er gar noch etwas zu distanzieren vermochte. Die zweite Mannschaft der LG Bern war ausschliesslich mit Vertretern des TVL unterwegs. Matyas Kobrehel zeigte eine auch im Gegnervergleich gute Startkurve. Nach einer gelungenen Übergabe schien es, als hätte Timo Castrini sich vorgenommen, auf seiner Strecke die Gegner der zweiten Serie klar zu dominieren. Das ist ihm vorzüglich gelangen. Mit Vorsprung auf alle, ausser auf die zweite Mannschaft des LC Zürich gelang wiederum eine gute Übergabe auf Luca Flück der auf seinem Streckenabschnitt mit einem auch technisch blitzsauberen Lauf seine Mannschaft vorne halten konnte. Nick Stalder hatte auf seinem Streckenabschnitt tendenziell die stärksten Gegner. Das schien ihn zu beflügeln. Er sicherte seinem Team den siebten Gesamtrang (16 Mannschaften gingen an den Start) und mit 42.71 Sek. eine gute Zeit. 

800m

Pascal Furtwängler und der derzeit schweizweit Stärkste, Joaquim Jeager, waren die Favoriten im Rennen über zwei Bahnrunden. Pascal, noch im Formaufbau, kämpfte sich mit einem taktisch klugen Rennen eingangs der Zielkurve an die Spitze, die er mit seiner üblichen Hartnäckigkeit und einmal mehr erfolgreich verteidigen konnte. Starke 1.51.31 und das Punktemaximum, ein überzeugende Leistung. Hendrik Engel, gesundheitlich leicht angeschlagen, war in der zweiten Runde etwas im Feld eingeschlossen. Es fehle ihm die Power, sich daraus zu befreien. Und trotzdem, auf der Zielgeraden kämpfte er sich auf den tollen vierten Rang. Sein 1.53.00 sind persönliche Saisonbestleistung. Kiflay Mengestabe zeigte in der zweiten Serie ein ungeahnt starkes Rennen. Auch diese zweite Serie war schnell unterwegs. Sehenswerte, wie der filigrane Vertreter der LG Bern auf der Zielgeraden um jeden Hunderstel und um jeden Rang kämpfte. In PB-Zeit von 1.59.02 erreichte er als Vierter das Ziel. 

3000m

Wau! Ein überzeugender Lukas Marti hielt das Tempo in diesem Rennen hoch, so war es abgesprochen. 67er, 68er Runden sollten es sein. Reto Ramseier dankte Lukas für die dessen Führungsarbeit indem er anfangs der zweiten Rennhälfte vorübergehend Lukas an der Spitze ablöste. Auf dem letzten Kilometer war Lukas der klare Dominator des Rennens. Zwei starke Genfer konnten auch als Duopack den Berner nicht in Schwierigkeiten bringen. 8.30.64 und ein sehr wertvoller Disziplinensieg durften verbucht werden. Was Reto Ramseier und Alain Croiser in diesem denkwürdigen Rennen zeigten, dürfte noch lange in Erinnerung bleiben. Sie gingen das Tempo in einer Weise mit, die alle überraschte. Beide liefen kluge Rennen mit gut überlegten Positionskämpfen. Pulverisierte Bestleistungen von Reto 8.36.49 (bisher 9.14.14) und Alain 8.38.01 (zuvor 8.53.34) bereiteten ihnen und Coach Peter Mathys grosse Freude.  

400m

Luca Flück, zwei Tage zuvor mit fordernden 600m und 300m Rennen in Langenthal am Start, musste oder durfte in Lausanne neben der Staffel über 400m starten. Er schien nicht gänzlich erholt zu sein. Eine Spur weniger Speed, ein Quentchen weniger Druck und etwas früh „saure“ Beine. Dem derzeitigen helvetischen Dominator dieser Disziplin, Ricky Petrucciani, schien es ähnlich zu ergehen. Wie sonst wäre zu erklären, dass Luca auf den letzten 50 Metern schneller als der Zürcher unterwegs war. 47.55 Sek. brauchte Luca für seine Bahnrunde. Eine gute Zeit. Zur Erinnerung, im Vorjahr war er nur 4/100 schneller! Nicht gleichermassen zufrieden war Nick Stalder mit seinem Ergebnis. Seine 51.79 Sek. hätten zwar einige andere Vereine gerne verbucht, der junge Vertreter der LG Bern wäre aber gerne schneller unterwegs gewesen. Seine Läufe sind in Ordnung, er macht keine Fehler, er läuft technisch gut. Was fehlt? Die Power, um seine Sprints auf ein hohes Tempo zu beschleunigen. Auch bei seinem Auftritt über 200m war dies deutlich zu beobachten. Matyas Koberehel lief für den leicht verletzten Silvan Lutz. Er machte seine Sache gut. Er konnte in Lausanne einmal mehr mit feiner Sprinttechnik überzeugen. Seine Zeit von 52.32 Sek. ist in Anbetracht seiner momentanen Leistungsfähigkeit ein sehr schönes Resultat. 

100m

In der stärksten Serie klassierte sich Tim Stalder mit 11.27 Sek. an sechster Stelle. Er zeigte, dass er langsam in Fahrt kommt. Nach gelungenem Start hielt er im starken Feld gut mit. Er konnte diesen Kurzsprint gut dosiert mit vergleichsweise längeren Schritten bis ins Ziel aktiv gestalten. Über die Bahn „fliegen“ konnte er noch nicht, das kommt noch. In der zweiten Serie kämpfe Timo Castrini mit zwei Schweizer Sprintlegenden, Pascal Müller, letztes Jahr zurückgetreten und Pin Wanheab und einem seiner derzeit stärksten Altersgenossen Simon Graf. Die vier Sprinter waren im Ziel praktisch gleichauf. Timo nahm seine 11.13 Sek. mit der Feststellung zur Kenntnis, es geht aufwärts, bzw. zeitlich gesehen runter. 

400m Hürden

Andreas Ritz, während zehn Jahren der verlässlichste Punktelieferant über die Langhürden, ist nicht mehr am Start. Moritz Stuker verletzte sich beim Weitsprung. Somit mussten die beiden Athleten Yves Maritz und Simon Gerber ins Ziel kommen. Beide Berner (Yves ist herkunftsmässig natürlich Solothurner) waren in der ersten Serie eingeteilt. Namen wie Hussein, Brand, Bonvin, Dridi liessen vermuten, dass die Vertreter der LG Bern für den Seriensieg wohl nicht in Fragen kommen würden. Yves musste auf Bahn 1 und Simon musste auf Bahn 8 starten. Yves Maritz zeigte sich seiner Aufgabe gut gewachsen. Er absolvierte in jeder Beziehung ein tolles Rennen. Routiniert und rhythmisch einwandfrei nahm er die Hürden. Mit den 55.70 Sek. waren er und die Mannschaftsleitung sehr zufrieden. Simon Gerber startete erstmals diese Saison in etwa so schnell wie er es mindestens kann und tun sollte. Damit konnte er sich in dieser Hammerserie lange sehr gut halten. Erst eingangs zweite Kurve lösten sich die Gegner markant. Hätte er nicht die drittletzte Hürde im Stile eines „Zaunhüpfers“ genommen, er hätte im Ziel noch schneller als 55.93 Sek. sein können. 

200m

Hier vertraten wiederum Tim Stalder und Timo Castrini die Farben der LG Bern. Timo Castrini war auch im dritten Lauf an diesem Tag in guter Verfassung. Erstmals zeigte er, was ihn dereinst als 200 Meter-Sprinter auszeichnen wird. Hohe Knieführung und die Fähigkeit, ausgangs Kurve das Rennen quasi neu zu lancieren. Er durfte und sollte genau so wie Tim Stalder noch nicht an die Grenzen der Möglichkeiten gehen. Dafür sind beide nach den letzten verregneten, kalten Wochen noch nicht in der Lage. Timo klassierte sich mit 22.43 Sek. in der ersten Serie an fünfter, Tim Stalder, ebenfalls nach seinem befriedigenden dritten Rennen mit 22.66 Sek. als Zweiter der zweiten Serie. Tim ist augenfällig kräftiger und stabiler geworden. 

800m Frauen

Die starke Sina Sprecher, zwei Tage zuvor in Langenthal ebenfalls zweimal am Start, hatte als einzig valable Gegnerin in Lausanne die Weltklasseläuferin Delia Sclabas, ebenfalls eine Athletin der LG Bern. Ziel war, mit ihr so lange wie möglich mitzugehen. Das gelang nicht ganz wie erwünscht. Ob die Erholung von den Auffahrtsstrapazen ungenügend, oder die letzte Überzeugung mithalten zu können fehlten ist nicht klar. Es wäre aber ein Versuch wert gewesen, länger mitzugehen. Unabhängig davon, ihr Rennen wurde mit dem zweiten Platz und entsprechend vielen Punkte belohnt. 2.08.99, eine sehr gute Zeit. 

400m Frauen

Die identische Ausgangslage über 400m bei den Frauen, zumindest was die LG Bern betrifft. Sprecher trifft auf Sclabas und einige gute Vertreterinnen der Bahnrundengilde. Der Ausgang war vergleichbar, Delia Sclabas mit 56.18 Sek. vor Sina Sprecher mit 56.38 Sek. Erstaunlich. Wie kann eine Langstreckenspezialisten so schnell sein. Sina, ein sprintstarke Mittelstreckenläuferin kann es, und sie wird noch zeigen, dass sie noch deutlich schneller sein kann. Sina absolvierte eine Bahnrunde bei der es schien, sie sei nie wirklich im „Sprintmodus“. Und trotzdem diese starke Zeit! 

Text: Kap

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