190908 SM U20 23 SimonGerber08./09.09.19 - Diese Schweizer Meisterschaft U20 und U23 2019 in Winterthur wird nur wenigen Startenden in Erinnerung bleiben. Siegern, Medaillengewinner und Verletzte werden dazu gehören. Simon Gerber und Marlene Schmid gehören dazu. Sie gehören zu den Gewinnern dieser Meisterschaften. Die Veranstaltung wurde technisch einwandfrei abgewickelt. Der Platzspeaker war herausragend. Der Rest? Startnummern mit Nummer gehören doch eigentlich der Vergangenheit an. Siegerehrungen bei denen die Athleten im strömenden Regen klatschnass wurden, Verpflegungsorganisation mit nicht durchdachten Abläufen und vieles mehr erheiterten die Gemüter nicht. Das Wetter, zumindest am Sonntag auch nicht. Wie sagte ein Romands? „C’est bien triste“. Es ist nicht einfach Organisatoren zu finden. Winterthur stellt sich immer wieder zur Verfügung. Dafür gebührt ihnen Dank. Aber für die Leichtathletik wäre es wichtig, dass solche Meisterschaften wenigstens einen Anflug von Erlebnischarakter hätten.    

 

Der TVL war in Winterthur zahlenmässig sehr diskret vertreten. Marlen Schmid trat im Dreisprung an. Ihr zweiter Rang ist ein verdienter Lohn für Hartnäckigkeit und Ausdauer. Sie ist nicht ganz fit, da ist es nicht selbstverständlich in einem Wettkampf, im Finaldurchgang, drei Mal weiter zu springen als je in diesem Jahr. Technisch grundstabil, verteidigte sie die Vizemeisterschaft bis zum Schluss, auch wenn es im letzten Durchgang nochmals spannend wurde. Die Drittplatzierte, Michelle Hofer, sprang in ihren letzten Versuch 11.88 Meter, Marlen lag bis dahin mit 11.91 über einen halben Meter vor eben dieser Michelle Hofer. „Entwarnung“ gab es erst, als deren Weite ihres letzten Sprunges auf der Anzeigetafel erschien. Marlen antwortete trotzdem nochmals stark und  erzielte in ihrem letzten Versuch auch 11.88. Tanja Muralt, an diesem Wochenende auch Ersatzcoach für David Spichiger, der in Düdingen „gefragt“ war, wurde mit 10.68 Meter Zehnte, einen Rang hinter Vereinskollegin Sabrina Wälti, deren bester Sprung mit 10.89 Meter gemessen wurde. 

Timo Castrini lief im dritten Halbfinale über 100m mit einem Seriensieg direkt in den Final. Dabei schlug er nominell stärkere Gegner wie Simon Graf, Alan Pichonnaz und andere mehr. Das war bei einem Gegenwind von 1.2 m/s ein durchaus guter Auftritt. Seine Sprints sehen gut aus, besser als im Vorjahr. Einzig, es fehlt an der Energie, mit der Timo 2018 auch international aufgefallen war. Im Final war das deutlich zu sehen. Er wurde mit noch immer guten 11.12 Sek. Achter, erneut mit Gegenwind. Nicht schlecht aber doch unbefriedigend. Die Gesundheit lässt einfach nicht mehr zu. Im 200er am Sonntag klassierte sich Timo mit 22.79 Sek. als Vierter seiner Serie. Er verpasste damit den Finallauf ganz knapp und war darüber sogar erleichtert. Sein Lauf in Stichworten: guter Start, schwache Beschleunigung, sehr gute zweite Kurvenhälfte, überschaubare erste Hälfte der Zielgeraden, technisch starke letzte 50 Meter. Nick Stalder stellte sich im Vorlauf seine Gegner, denen er vor einem Jahr davon gelaufen ist. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Aber ein geschwächter Körper lässt einfach nicht mehr zu. Was vielleicht im Alltag als „ein bisschen müde“ bezeichnet würde, bedeutet im Leistungssport ein gravierendes Handicap. Hoffentlich reicht die Trainingspause bis anfangs November, um definitiv wieder gesund zu werden. 

Am Sonntag wurde Marlen Schmid mit ihrem ersten und einzigen Weitsprungversuch mit 5.23 Meter Elfte. Souplesse und Schnelligkeit sind im Weitsprung von grosser Bedeutung. Die konnte Marlen, leicht angeschlagen, nicht einbringen. 

Das zweite Highlight, neben Marlen im Dreisprung, setzte etwas überraschend Simon Gerber. Er war, wie die halbe Sprintmannschaft des TVL, während vielen Wochen gesundheitlich geschwächt. Trotzdem spekulierte er zumindest auf einen Podestplatz. Stärkste Gegner über 400 Meter Hürden waren Matthias Scheuch und Alession Guidon. Scheuch war dieses Jahr immer deutlich stärker und Favorit. Simon wirkte hochkonzentriert. Er hatte sich vorgenommen von Anfang an mitzugehen. Ob er genug Kraft bis ins Ziel würde aufbringen können, war ungewiss. Ein Versuch war es wert. Ende Gegengerade lief Simon hinter Matthias Scheuch an die Spitze des Feldes. Der Tessiner Guidon hielt noch einigermassen mit. Eingangs Zielgeraden machte Simon hartnäckig und anhaltend Druck. Der Favorit hatte damit ganz offensichtlich nicht gerechnet. Er verkrampfte sich zunehmend und konzentrierte sich nur noch darauf, Simon abzuwehren. Hinter den beiden klaffte eine zunehmend grössere Lücke. Die letzte Hürde überquerte Scheuch nicht mehr, er lief in sie hinein. Simon, weiter hoch konzentriert, blieb stabil und lief ab diesem Moment einem sicheren Sieg entgegen. 55.45 Sek. bedeuten persönliche Saisonbestleistung. Erfolg beflügelt. Das er völlig kaputt war, merkte er erst später, zuerst galt es die Fragen des kompetenten Platzspeakers zu beantworten. Das tat Simon eloquent, ausführlich und selbstsicher. Auf die Bemerkung, dass eigentlich erst nach dem Sturz des Favoriten der Sieg definitiv in Reichweite gelangt sei, antwortete Simon lakonisch: „Ich hätte ohnehin gewonnen“. Wer das Rennen gesehen hat, kann das nur bestätigen. Ein verdienter Lohn für gute Moral und viel Durchhaltewillen und ein Beweis für viel Talent. 

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