190914 Team SM 80014.09.19 - Einen kompletten Medaillensatz erkämpften sich die Teams der LG Bern, welche im Rahmen der Team-SM 2019 in Berner Wankdorfstadion an den Start gingen. Erfolgreich den Titel verteidigt haben die Männer über 800m, welche überlegen den Sieg nach Hause liefen. Wie vor zwei Jahren, als diese Disziplinen letztmals an der Team-SM durchgeführt wurden, durften auch die Männer über 200m sowie die Frauen im Dreisprung das Podest ersteigen. Bemerkenswert ist, dass alle 12 Medaillengewinner/innen aus den Reihen des TVL kommen. Neben den drei Medaillenteams klassierten sich  die Frauen über 1500m sowie das zweite Dreisprungteam im fünften Rang. Es lässt sich festhalten, dass die Athleten/innen auch zum Saisonabschluss bemerkenswerte Leistungen zeigten und die Organisatoren einen äusserst stimmungsvollen Wettkampfe organisierten. So macht LA Spass!

 

Resultateübersicht

1. Rang 800m Männer  LG Bern 1
  Luca Flück
  Silvan Lutz
  Ralf Kuratz
  Timo Castrini 
21.91"
  21.61"
  21.80"
  22.32"
  22.59"
2. Rang 200m Männer  LG Bern 1
  Pascal Furtwängler
  Hendrik Engel
  Resto Ramseier
  Alain Croisier
1:51.82
  1:50.76
  1:51.22
  1:53.47
  1:57.39
3. Rang Dreisprung Frauen LG Bern 1
  Marlen Schmid
  Daniela Schlatter
  Sahra Gerber
  Océane Köchli
11.52m 
  12.09m
  11.25m
  11.24m
  10.57m
5. Rang 1500m Frauen LG Bern 1
  Sina Sprecher
  Aarti Miescher
  Laura Giudice 
4:41.22
  4:33.25
  4:39.83
  4:50.58
5. Rang Dreisprung Frauen  LG Bern 2
  Anna Rotter
  Tanja Muralt
  Sabrina Wälti
  Avani Gygax 
11.04m
  11.13m
  11.05m
  10.97m
    9.58m


Link zur Rangliste


Bemerkung zum Wettkampf

Totgesagte leben länger? Seit Jahren wird das Ende der Team SM erklärt. Die Team SM 2019 im Berner Wankdorfstadion zeigte aber einmal mehr, wie sehr die Athleten und Trainer dieses Format schätzen. Wer sich im Rund des Wankdorfes bewegte, sah fröhliche Gesichter, hoch motivierte Athletinnen und Athleten und zufriedene Helfer. Was sah er nicht? Die Topathleten der Sprintdisziplinen. Es gehört zum guten Ton der starken Sprinterinnen und Sprinter, weder die Staffel-SM noch die Team SM zu bestreiten. Wie sagte unlängst ein möchtegern Grosser im Sprint: Biste gut, gehste nicht!“. Wie dumm und schade. Welche hohe Motivation hätte es für die nächstbesten, mit einer Muijnga Kambundschi oder einem Alex Wilson oder einem Kariem Hussein in einem Team zu starten. Wie wichtig wäre es für den nationalen Verband, die älter werdende Generation nahtlos ersetzen zu können. Aber klagen wir nicht, die Organisatoren dieser Team SM haben mit klugen Ideen viel Stimmung unter die Aktiven gebracht. Von 30 zufällig befragten No-Names Athletinnen und Athleten haben 18 diese Team-SM als ihr schönstes Wettkampferlebnis dieses Jahrs bezeichnet. Das sagt alles! 


Die LG Bern war mit wenigen, aber sehr erfolgreichen Teams in Bern anwesend. 

190914 Team SM DreisprungDie Bezeichnung "wenig" aus dem Rubrikentitel gilt  nicht für den Athletinnenaufmarsch der LG Bern im Frauen-Dreisprung. Von den acht qualifizierten Teams stammten gleich zwei von der LG Bern und am Wettkampf stellten die Bernerinnen nach der Absage von zwei auswärtigen Teams nicht weniger als 8 von 21 oder 38% aller Athletinnen. Doch bekanntlich zählt in der LA nicht die Quantität, sondern die Qualität und die war in diesem Wettkampf im Vergleich zu den Vorjahren bemerkenswert hoch. Mit ausgezeichneten 11.52m holten unsere Frauen die verdiente Bronzemedaille. 11.52m ist eine Weite, die in den vergangenen Jahren stets zum Titel gereicht hatte, doch dieses Jahr waren die Frauen von Küsnacht-Erlenbach und dem LCZ noch stärker. Als wahre Leaderin trumpfte Marlen Schmid mit allen vier Sprüngen auf 12m und mehr auf und führte das Team 1, welches mit Daniela Schlatter, Sahra Gerber und Océane Köchli komplettiert wurde aufs Podest. Die erwahrtet Zitterpartie um die Medaille entpuppte sich als deutliche Angelegenheit zu Gunsten unserer Girls. Fast einen halben Meter (im Durchschnitt) sprangen die Bernerinnen weiter als die St. Gallerinnen welche sich am Ende noch fast von unserem Team 2 geschlagen geben musste. Dabei sprangen auch Daniela Schlatter mit 11.25m und Sahra Gerber mit 11.24 Saisonbestleistungen.
Über sich hinaus wuchsen die Springerinnen des zweiten Teams und sicherten sich mit einem Schnitt von 11.04m den 5. Schlussrang. In ihrem ersten Dreisprungwettkampf überhaupt zeigte Anna Rotter eine bärenstarke Leistung und setzte mit 11.13m ein tolles Ausrufezechen. Im Sog von Anna sprang auch Tanja Muralt erstmals über 11m und mit 10.97m realisierte auch Sabrina Wälti eine neue, persönliche Bestleistung. Leider ohne Wettkampfglück und mit vielen, vor dem Balken verschenkten Zentimetern, kämpfte Avani Gygax. Die angestrebten 10m wären möglich gewesen, doch dafür hätte es "den perfekten Sprung" gebraucht. Die 9.58m bedeuten aber die zweitbeste Weite überhaupt und sind ein Versprechen für die Zukunft. Nach einer leichten Erkrankung nicht bei vollen Kräften sprang Océane Köchli auf 10.57. Unter diesen Umständen ein Resultat das OK ist - nicht mehr, aber auch nicht weniger. Hey Girls, toll gemacht!

Über 200m war zum Vornerein klar, ein Sieg ist kaum möglich. Der LCZ ist mit hervorragenden Kräften angetreten und sie haben dann auch exzellente Leistungen gezeigt. Reais mit 21.03 Sek. und Inglin mit 21.49 Sek. und dem starken U20 Sprinter Graf mit 21.98 Sek. waren nicht beizukommen. Lausanne Rivera und COA Valais waren die „echten“ Gegner. Das Quartett der LG Bern schlug sich ausgezeichnet. Luca Flück, nimmermüde, war in echter Sprinterlaune. Erst einmal in seiner Karriere war er schneller unterwegs (2016 mit viel Rückenwind, ebenfalls in Bern lief er 21.58 Sek.). Am Samstag in Wankdorf, in der zweiten Serie lief er 21.61 Sek., windbereinigt sein schnellster 200er ever. Es war ein wirklich gutes Rennen. Oder eben doch nicht? Technisch war es ein überzeugender Auftritt. Veränderungen im Laufstil sind sichtbar. Die Effizienz in der Beschleunigung kann aber noch deutlich verbessert werden. Vereinskollege Silvan Lutz hatte ab Vorabend in einem Meeting in Le Mouret bei ziemlicher Dunkelheit (2050 Uhr) einen 400er mit Saisonbestleistung gelaufen. Vielleicht ein Grund dafür, dass er auf den ersten 50 Metern nicht so angriffig unterwegs war. Seine hervorragenden 21.80 Sek. sind das Resultat seiner intakten Substanz und Qualität. Die sprinterische Eleganz vermisste man ein wenig. Diese war bei der Nocturne am Vorabend über 400m aber durchaus zu sehen. Auf den letzten 50 Metern war er stark, besser als Kollege Luca. Ralf Kurath hielt sich mit 22.32 Sek. sehr gut. Das war auch nötig, Bellon in der Mannschaft LCZ 2 lief 22.12 Sek. (Saisonbest 21.83) und Di Nocera aus dem Wallis 22.16 Sek. Timo Castrini liess auf der ersten Streckenhälfte sein grosses Talent aufblitzen. Auf den letzten 80 Metern nahm er dann wegen einer Zehenverletzung etwas an Schub zurück. Das Team der LG Bern wurde etwas überraschend hinter dem starken LCZ (Schnitt 21.50 Sek.) Zweiter mit einem Schmitt von 21.91 Sek. Die Abstände dahinter waren gering, es brauchte eine geschlossene Mannschaftsleistung. 

Über 800m gewann die LG Bern  letztlich deutlicher als es auf der Bahn den Anschein hatte. Diesmal war die Taktik von Peter Mathys in wahrsten Sinn des Wortes goldrichtig. Es sollte ein schnelles Rennen werden, damit vor  allem die starken Genfer nicht mit einem ausgeglichenen Mannschaftsresultat punkten konnten. Pascal Furtwängler musste demnach mit viel Führungsarbeit für ein hohes Tempo sorgen. Das tat er, sehr überzeugend, auch wenn er dafür einen hohen Aufwand leisten musste. Zweihundert Meter vor dem Ziel wurde er von Tom Elmer, dieses Jahr wieder ein überragender Mittelstreckler geworden, heftig attackiert. Pascal wehrte sich vorerst erfolgreich, Elmer blieb aber hartnäckig knapp hinter ihm. Die Zielgerade war dann ein episches Sprintduell zwischen Furtwängler und Elmer, der im Ziel mit 3/100 vorne lag. Hinter den beiden profitierte Hendrik Engel vom hohen Tempo. Er lief ein klasse Rennen. Einmal mehr zeigte er eine unglaubliche Moral und er  trug mit seinen 1.51.22 Min. wesentlich mit zu Sieg bei. Reto Ramseier, einst eine Mittelstreckenhoffnung, dann vorübergehend Mittelmass, jetzt Schweizer Spitze, kann auch am Ende einer kräftezehrenden Saison noch immer überzeugen. Er ist einfach ein sicherer Wert. Kann Rennen mitgehen und er findet immer noch irgendwo eine anzapfbare Reserve um auf der Zielgeraden aufzufallen. Alan Croisier lief in seiner Serie ebenfalls ein wirklich gutes Rennen und er klassierte sich deutlich in der ersten Ranglistenhälfte. Zu recht stieg er mit auf das Podest. Als Steepler schaffte er es relativ problemlos auf dessen Topebene. 

Über 1500m der Frauen schaffte es das Team auf Rang fünf. Delia Sclabas war nicht mit im Rennen, damit waren die Aussichten auf einen Podestplatz deutlich geschwunden. Sina Sprecher war zwar die viertschnellste der Teilnehmerinnen aber erstens ist diese Distanz nicht ihre stärkste und zweitens hat sie gegen Saisonende nicht mehr ganz so überzeugend auftreten können wie sie es letztes Jahr tat. Es schien, als sei die Frische, die Unbekümmertheit, die Sicherheit schneller zu laufen als je, etwas verloren gegangen. Sie wird sicherlich diesen Winter einen neuen Anlauf nehmen und 2020 wieder für Überraschungen sorgen. Die Rangliste zeigt, dass zwischen Rang 3 und 5 eher der Zufall als die läuferische Stärke massgeblich war. Aarti Miescher lief ein tolles Rennen und blieb nur knapp eine Sekunde über ihrer Bestleistung. Nach langer Verletzungspause und nach einem Impfmarathon sichtlich geschwächt konnte Laura Giudice nicht an die gewohnten Liestungen anknüpfen war wohl sichtlich froh, als das anstrengende Rennen zu Ende war. Der 5. Rang, so knapp hinter den Medaillenrängen unter diesen Umständen ist bemerkenswert und verdient höchste Anerkennung.