200301 MekonenTefera PeterMathys01.03.2020 - Sympathisch, hilfsbereit und erfolgreich, aber sehr verzweifelt. Mekonen Tefera, seit 2014 Mitglied im TVL und äusserst erfolgreich bei Strassenläufen, sucht ein neues Zuhause, damit er sich wieder auf den Sport konzentrieren kann. Wenn jemand ein Zimmer bei sich zuhause für den gebürtigen Äthiopier kostenlos anbieten würde, könnte eine Abschiebung in ein Ausschaffungszentrum und damit die sichere Rückführung nach Äthiopien vermieden werden. Wir haben Mekonen als äusserst hilfsbereit kennen gelernt und möchten alles versuchen, um ihn in der Schweiz zu halten und in nicht einer gefährlichen Situation in seinem Heimatland aussetzen zu müssen.

 

Mekonen Tefera (27.01.1992) kam im April 2013 als Flüchtling in die Schweiz. Seine Familie in Äthiopien geriet in einen Konflikt mit einem anderen Clan und nachdem es zur Ermordung von Familienmitgliedern untereinander gekommen war, war das Leben von Mekonen, der sich eigentlich auf die Landwirtschaft und das Laufen konzentrieren wollte, nicht mehr sicher. Er konnte unmöglich in der Region und im Land bleiben, denn die Racheakte der verfeindeten Clans kennen keine Gnade. So flüchtete er nach Europa und reiste in die Schweiz ein. Der Asylantrag wurde allerdings 2015 abgelehnt, da seine Situation als 'nicht politisch' eingeschätzt wurde. Seither lebt Mekonen als abgewiesener Asylbewerber mit weniger als CHF 10 Nothilfe pro Tag im Durchganszentrum Herrenschwanden. 

Nun droht Mekonen, der auch eine Frau und zwei Kinder in der Schweiz hat, die Abschiebung in ein kantonales Ausschaffungszentrum. Die Bedingungen in diese Zentren sind deutlich schlechter als in Herrenschwanden und eine Weiterführung seiner sportlichen Karriere ist danach kaum möglich. Als Alternative zu Auschaffungszentrum könnte Mekonen legal auch bei einer privaten Person oder einer Familie wohnen, die sich bereit erklärt, für Mekonen aufzukommen. Mekonen betont allerdings klar, dass er für sich selber sorgen kann und lediglich ein Zimmer mit einem Bett bräuchte. Wenn jemand also ein überflüssiges Zimmer und ein Bett für Mekonen anbieten könnte, wäre der TVL-Vorstand sehr froh und würde die nötigen, administrativen Massnahemen zusammen mit dem Migrationsdienst des Kantons Bern einleiten. 
Zwischen dem Kanton und dem Gastgeber würde eine "Vereinbarung: Unterbringung bei Privatpersonen von rechtskräftig weggewiesenen Personen" unterzeichnet, um die Aufnahme offiziell zu machen. Diese Vereinbarung liegt dem Präsidenten (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!) vor und kann bei Intresse angefordert werden.

Kontakt
David Spichiger
Präsident TVL Leichtathletik
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Infos zu Mekonen:

Mekonen Tefera
Nationalität: Äthiopien
Geburtsdatum: 27. Januar 1992
Familie: Frau und zwei Kinder (3.5 und 1.5 Jahre alt) in der Schweiz
In der Schweiz: seit April 2013
TVL Mitglied: seit November 2014

Erfolge 2019:
1. Gippinger Stauseelauf (Dez)
1. Lausanne Marathon (Okt)
20. Murten-Friburg Lauf (Okt)
1. Thuner Stadtlauf (Aug)
1. Emmenlauf, Utzensdorf (Aug)
1. Inferno Halbmarathon Mürren (Aug)
1. Glacier 3000 Run, Gstaad (Aug)
1. Helebardenlauf Sempach (Jun)
1. Derendinger Abendlauf (Jun)
3. Stralugano, Lugano (Mai)
1. 20km von Lausanne (Mai)
1. Kerzerslauf (Mär)

Interview in der TVL Revue 2018 (siehe unten)

Interview auf Datasport (Oktober 2018)

Artiel in der BZ vom Juli 2019


Interview mit Mekonen in der TVL Revue 2018, Seite 32-33.

«Laufen ist wichtig für die Integration»

Der gebürtige Äthiopier Mekonen Tefera ist Läufer beim TV Länggasse. Mit der TVL-Revue sprach er über das Leben in der Schweiz, darüber, was ihm der Sport bedeutet und welches Ziel er 2018 verfolgt.

TVL-Revue: Mekonen, du bist seit einigen Jahren in der Schweiz. Gefällt es dir hier?

Mekonen: Ja ja, es ist gut hier. 

Wie lange wohnst du nun schon da?

Am 29. April sind es genau 5 Jahre.

Möchtest du erzählen, wie du in die Schweiz gekommen bist?

In Äthiopien habe ich ein Problem gehabt. Das hat mir verunmöglicht, dort zu bleiben. Ich musste weg in ein anderes Land. Ich vermisse mein Land, ich vermisse meine Familie. Aber ich kann unmöglich zurück. Das wäre gefährlich für mich. 

Nun wohnst du im Durchgangszentrum Herrenschwanden. Wie sieht dein Leben dort aus?

Ich habe eine Familie, Frau und zwei Kinder. Meine Frau habe ich in der Schweiz kennen gelernt. Sie lebt normalerweise an einem anderen Ort als ich. Das ist gar nicht schlecht für die Organisation des Trainings. Ich kann bei der Betreuung der Kinder helfen, ich muss aber nicht. Wenn wir zusammen leben würden, wäre es wohl schwieriger. Meine Kinder sind noch klein, das ältere ist ein Jahr und fünf Monate, das Jüngere zwei Monate alt.

Hast du genug Zeit fürs Training?

Ja ich habe genug Zeit. Ich habe keine Arbeit hier, ich darf nicht arbeiten. Mein Beruf ist somit das Laufen. Ich liebe meinen Beruf. Ich trainiere jeden Tag. Früher habe ich sogar zweimal am Tag trainiert. Aber das hat dieses Jahr geändert. Nun absolviere ich mehr Wettkämpfe, dafür trainiere ich etwas weniger. Es ist so besser für mich. Damit verdiene ich ein bisschen mehr, vielleicht hundert, zweihundert Franken pro Woche.

Peter Mathys (ergänzt): Mekonen verdient nur Preisgeld, wenn er auch gut läuft. Meist gibt es an den Läufen für die ersten Drei etwas, manchmal für die ersten Fünf.

Bist du in Äthiopien auch schon gelaufen?

Ich habe schon ein wenig trainiert, aber nicht so intensiv wie jetzt. Ich habe streng gearbeitet. Ich bin auf dem Land aufgewachsen und habe meiner Familie beim Bauern geholfen. Meine Familie besitzt Pflanzen und Tiere, die es zu bewirtschaften gilt. Ich habe ungefähr 50% gearbeitet und den Rest der Zeit trainiert.

Was bedeutet dir Laufen?

Sport ist gesund. In der Schweiz ist er zudem wichtig für die Integration. Zudem hilft mir das Laufen, den Kopf frei zu halten. Mein Trainer ist sehr nett, das Umfeld stimmt für mich, ich habe durch den Sport Kollegen gefunden in der Schweiz.

Wie hast du Peter Mathys kennen gelernt?

In der Schweiz habe ich in Langnau angefangen zu Laufen. Da habe ich aber nur kurze Läufe machen können. Mein dortiger Trainer hat den Wechsel nach Bern zu Peter Mathys organisiert. Peter und ich haben uns erstmals am Bahnhof in Bern getroffen, das hat zum Glück auf Anhieb geklappt. 

Bist du auf eigene Initiative in Langnau in den Verein eingetreten?

Ich habe damals in einem Durchgangszentrum in Schüpbach gewohnt. Dort haben sie mir geholfen, einen Verein zu finden. Wir haben im Internet gesucht.

Peter Mathys (ergänzt): Als Mekonen im Auffangzentrum in Schüpbach gewohnt hat, ist er jeweils über Feld und Wiese trainieren gegangen. Das hat den Bauern nicht gefallen; sie haben beim SK Langnau angefragt, ob er da trainieren könne. Weil das Umfeld zum Laufen beim SK Langnau nicht optimal war, hat Mekonen schliesslich zu uns gewechselt.

Ist es ein Unterschied, in der Schweiz oder in Äthiopien Sport zu machen?

Das ist schwierig zu sagen. Ja, doch, es ist ein Unterschied. Die Schweiz hat guten Sauerstoff, aber die Höhenlage ist ein bisschen tief. Wenn man bei uns in Äthiopien auf 3000 Metern Höhe trainiert und dann in tiefere Lagen laufen geht, so ist das gut. Es gibt Orte in der Schweiz, zum Beispiel St. Moritz, wo der Sauerstoff auch besser ist, aber Bern liegt etwas tief.

Wie sind die Vereine in Äthiopien organisiert? 

Es hat Top-Vereine, vor allem in der Stadt. Mein Verein hat sich 300km von meinem Wohnort weg befunden. Ich habe ihn nicht gut gekannt und immer für mich alleine trainiert.

Was bedeutet dir der TVL?

Ich kenne hier gute Kollegen. Ich habe mit Peter einen sorgfältigen Trainer. Er ist ein starker Organisator für mein Training. Er macht meinen Trainingsplan und schreibt mir vor, wieviel ich pro Tag trainieren muss. 

Hilft dir das Training mit den anderen Athleten?

Ich trainiere zweimal Pro Woche mit dem Verein, die anderen Male trainiere ich selber. Die Trainings im Verein sind wichtig für mich.

Wenn wir deine Resultate aus der letzten Saison anschauen fällt auf, dass du viel auf der Strasse gelaufen bist, und kaum einmal auf der Bahn. Hast du vor, zukünftig mehr auf der Bahn zu laufen oder ist der Strassenlauf deine Leidenschaft?

Für mich ist die Strasse erste Wahl. Zweite Wahl ist die Bahn, dritte Wahl ist Cross. 

Schaust du auf eine ausgewogene Ernährung, oder gibt es auch mal ungesund?

Teils teils. Wenn es wichtig ist, dass ich mich gesund ernähre, dann sagt mir Peter das.

Kochst du selber?

Ja ich koche selber. 

Dein letztes Rennen, den Gippinger Stauseelauf, hast du gewonnen. Was bedeutet dir gewinnen?

Einerseits ist mir das Preisgeld wichtig. Es macht mich unabhängiger. Zweitens erlange ich durch gute Resultate eine gewisse Bekanntheit. Auch das kann ganz nützlich sein.

Hast du Ziele?

Ja, 2018 mache ich den Jungfraumarathon mit Peter, das ist mein grosses Ziel (lacht).

Der Jungfraumarathon ist 2018 also dein grosses Ziel?

Ja, letztes Jahr war ich etwas unglücklich mit dem Verlauf, ich habe unter anderem die falschen Schuhe angezogen. Jetzt kenne ich die Strecke besser, und ich will mich entsprechend darauf vorbereiten.

Peter, was traust du Mekonen am Jungfraumarathon zu?

Peter Mathys: Mekonen kann sicherlich unter die ersten drei laufen, er hat das Zeug dazu. 
(Anmerkung der Redation: Mekonen wurde 47. in 3h40 nachdem er bei Kilometer 30 noch an 5. Position lag)

(Interview von: David Spichiger und Michael Wyss)


Peter Mathys: Grosser Einsatz für den TVL

Der ehemalige Mittelstreckenläufer Peter Mathys ist seit 1965 Mitglied beim Turnverein Länggasse. Seit 46 Jahren übt er eine Trainertätigkeit aus – erst im Nachwuchs, später bei der Elite. Er hat sich in den letzten Jahren mehrfach stark gemacht für die Integration von Asylbewerbern in der Schweiz und dadurch manche schöne, zum Teil aber auch tragische Geschichte erlebt. Peter Mathys trainiert zurzeit eine Gruppe von gut 15 Athleten. Er ist pensionierter Mechanikermeister und lebt im Kanton Aargau. 

 

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